Geschichte des Instituts

Die Vernichtung des Drachen

Eine bedrohliche Szene prangt an der Außenwand des  Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie e.V. – Hans-Knöll-Institut. Es ist ein Kampf zweier Mächte: Kraftvoll stemmt der Erzengel Michael einen Felsbrocken in die Höhe, um einen Drachen zu vernichten.  Diesem Kampf gegen den Drachen, Symbolfigur für Infektionskrankheiten und Krebs, hat sich das Institut verschrieben. Der Künstler Walter Herbert gestaltet die Wandmalerei auf Anregung des Jenaer Forschers Hans Knöll.

Hans Knöll – Pionier der Wirkstoff-Forschung

1938 kommt der hessische Arzt Hans Knöll nach Jena, um zunächst das Bakteriologische Laboratorium des Jenaer Glaswerkes Schott & Genossen zu leiten. Daraus entwickelt sich 1950 das Pharmaunternehmen VEB Jenapharm – Hans Knöll wird dessen Direktor. Er setzt sich für die Produktion von Penicillin und anderen Medikamenten (darunter der Tuberkuloseimpfstoff BCG) ein, die wegen steigender Tuberkulosefälle nach dem Krieg, dringend benötigt werden. Das spricht sich in der gerade entstandenen DDR herum. Das Ministerium für Gesundheitswesen erteilt Hans Knöll den Auftrag, verstärkt nach Medikamenten gegen Tuberkulose zu forschen – Baustart für das BCG-Gebäude und damit Geburt des Hans-Knöll-Instituts.

Das BCG-Institut allein auf weiter Flur

Mit seiner Grundsteinlegung im April 1950 und der Fertigstellung ein Jahr später war das BCG-Institut das erste Gebäude überhaupt auf dem Beutenberg in Jena. Bis 1990 wird dort der gesamte Bedarf der DDR an BCG-Impfstoff produziert. 1951 wird die Baugrube für den Ostflügel des Institutes für Mikrobiologie und experimentelle Therapie (IMET) ausgehoben, 1953 wird Hans Knöll Direktor. Im IMET forschen die Wissenschaftler jedoch nicht nur an neuen Antibiotika, sondern sie produzieren sie auch als Medikamente. Eine interdisziplinäre Verbindung zwischen Chemie, Biologie und Pharmazie, die zur Ausstrahlung des Instituts beiträgt. Sicher einer der Gründe, warum das Institut im März 1956 von der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin übernommen wird. Seit seiner Umbenennung 1970 zum Zentralinstitut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie (ZIMET) bis zur deutschen Wiedervereinigung und der damit einhergehenden zur Abwicklung der Akademie-Institute entwickelt sich der Beutenberg schließlich zum größten biowissenschaftlichen Forschungszentrum der DDR.

Das Hans-Knöll-Institut als Bindeglied zwischen Forschung und Industrie

Das Thüringer Ministerium für Wissenschaft und Kunst gründet das Hans-Knöll-Institut für Naturstoff-Forschung (HKI) am 21. November 1991 als eingetragenen Verein. Auch nach den Veränderungen, die der Mauerfall mit sich bringt, wird die Tradition der mikrobiologischen Naturstoff-Forschung fortgesetzt – ganz im Sinne Hans Knölls. Die Diskussion, ob das HKI in Zukunft eine industrienahe GmbH mit Verflechtung zu Pharmaunternehmen sein sollte, beantwortet ein erstes wissenschaftliches Konzept. Es sieht die Bereiche Mikrobiologie, Naturstoffchemie, Bioverfahrensentwicklung und Funktionelle Wirkstoffcharakterisierung vor, jedoch keine personelle Verflechtung. Die Verbindung zur Industrie wird dennoch gestärkt: Durch die Forschung am HKI sollen mikrobielle Wirkstoffe aufgefunden, charakterisiert, hergestellt, geprüft und für die Anwendung in der Medizin bereitgestellt werden – das Institut als Bindeglied zwischen Grundlagenforschung und Industrie. 1999 evaluiert der Wissenschaftsrat das HKI und kommt am 17. November 2000 zum Ergebnis: „Das HKI hat seit seiner Gründung 1992 eine insgesamt sehr gute Entwicklung genommen und national wie international eine anerkannte Stellung auf seinem Forschungsgebiet erreicht.“ Das HKI wird am 1. Januar 2003 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Forschung für die Industrie

Im Zuge seiner Bewertung empfiehlt der Wissenschaftsrat die industrienahe Forschung zu Gunsten einer verstärkten Grundlagenforschung auszugründen. Neun Firmen werden daraufhin ausgegründet: BioControl Jena GmbH (1996), Probiodrug (1997), Oncoscreen (1997), Clondiag Chip Technologies (1998, heute Alere Technologies GmbH), ProThera (1999, heute Wacker Biotech GmbH), Cybio Screening (2000), Werner BioAgents (2000), SirsLab (2000) und BioConzept (2004).

Neue Forschungsfelder, neue Herausforderungen

Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie e. V. – Hans-Knöll-Institut –

Der neue Name des Instituts seit dem 1. Januar 2005 soll das neue Institutsprofil mit veränderten Aufgaben- und Forschungsbereichen zum Ausdruck bringen. Neben der klassischen Naturstoff-Forschung wird die Infektionsbiologie, die sich speziell mit humanpathogenen Pilzen beschäftigt, verstärkt eingebunden. Ab 1. Juli übernimmt Prof. Axel A. Brakhage, vorher Leiter der Abteilung „Molekulare und Angewandte Mikrobiologie“ das Amt des Wissenschaftlichen Direktors.