Gianni Panagiotou spricht als Keynote Speaker auf der Aging and Microbiome Conference 2025
Decoding the Nutrient-Driven Modulation of Holobiome Function
| von Anke Trinkler
Keynote auf der Aging and Microbiome Conference 2025 in Jena
Am 29. Oktober 2025 hielt Prof. Dr. Gianni Panagiotou, Leiter der Abteilung Microbiome Dynamics am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI) und Professor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, einen der zentralen Keynote-Vorträge auf der diesjährigen Aging and Microbiome Conference (AMC 2025). Unter dem Titel „Decoding the Nutrient-Driven Modulation of Holobiome Function“ präsentierte er neue Erkenntnisse zu den Wechselwirkungen zwischen Ernährung, Mikrobiom und Alterungsprozessen.
Das Holobiom als dynamisches Ökosystem
Panagiotou beschrieb das Holobiom – also die funktionelle Einheit aus Mensch und seinen mikrobiellen Gemeinschaften – als hochdynamisches Ökosystem, in dem Ernährung sowohl als Signal wie auch als Substrat wirkt.
„Unsere Ernährung kommuniziert mit unserem Mikrobiom“, erklärte er. „Jede Mahlzeit ist nicht nur Energiezufuhr, sondern auch Informationstransfer.“
Dabei betonte er, dass die lange vertretene Idee einer universell gesunden Ernährung überholt sei. Aufgrund der enormen Unterschiede in Zusammensetzung und Stoffwechselleistung des Darmmikrobioms reagiere jeder Mensch individuell auf Nahrungsbestandteile.
Von Molekülen zu ganzen Lebensmitteln
In seinem Vortrag zeigte Panagiotou anhand aktueller Studien seines Teams, wie Nährstoffe – von kleinen bioaktiven Molekülen über komplexe Polysaccharide bis hin zu vollständigen Nahrungsmitteln – die Funktion des Holobioms modulieren.
Mittels integrativer Multi-Omics-Analysen und experimenteller Modelle konnten sie nachweisen, dass diätetische Komponenten im Darm mikrobiell umgewandelt werden und so Signalwege des Wirts beeinflussen, die an Stoffwechsel, Entzündungsregulation und Gewebehomöostase beteiligt sind.
Ein zentrales Ergebnis: Diese Prozesse sind nicht statisch, sondern kontextabhängig – sie verändern sich mit Alter, Gesundheitszustand und individueller mikrobieller Zusammensetzung.
Der Weg zu präziser Ernährung
Panagiotou argumentierte, dass die Zukunft der Ernährungswissenschaft in der „präzisen Ernährung“ liegt – also in personalisierten Strategien, die auf dem individuellen mikrobiellen und metabolischen Profil basieren.
„Wenn wir verstehen, wie das Mikrobiom Nährstoffe biochemisch umformt und welche molekularen Signale daraus entstehen, können wir gezielte Interventionen entwickeln, die auf jeden Einzelnen abgestimmt sind“, so Panagiotou.
Dieser Ansatz, so führte er aus, könne helfen, altersbedingte Funktionsverluste des Stoffwechsels abzufedern, chronische Entzündungen zu reduzieren und die Lebensqualität im Alter zu verbessern.
Ein Blick in die Zukunft
Die Präsentation löste unter den Konferenzteilnehmer*innen lebhafte Diskussionen aus – insbesondere zu Fragen der Standardisierung von Mikrobiom-Analysen, der ethischen Nutzung personalisierter Gesundheitsdaten und der klinischen Translation solcher Forschung.
Panagiotou selbst zeigte sich optimistisch: „Wir stehen erst am Anfang, die Sprache der Mikroben wirklich zu verstehen. Aber jede neue Erkenntnis bringt uns näher an ein Ernährungssystem, das nicht auf Durchschnittswerten basiert, sondern auf dem, was unser inneres Ökosystem wirklich braucht.“
Fazit
Mit seinem Beitrag gab Gianni Panagiotou auf der AMC 2025 einen eindrucksvollen Einblick in die Zukunft der Ernährungs- und Alternsforschung. Sein Konzept eines nutrient-getriebenen, personalisierten Verständnisses des Holobioms verdeutlicht, wie eng die Wechselwirkungen zwischen Ernährung, Mikrobiom und Gesundheit sind – und wie sie künftig genutzt werden könnten, um gesundes Altern gezielt zu fördern.