Wirkung von Medikamenten ausreizen

Assoziierte Forschungsgruppe am HKI forscht am Antibiotika-Einsatz bei Krebspatienten und erhält Posterpreis

Marie von Lilienfeld-Toal

Erkrankt ein Patient an einer bakteriellen Infektion, wird er mit einem Antibiotikum behandelt. Doch immer häufiger kommt es vor, dass das Medikament nicht mehr wirkt, weil der Erreger den Wirkstoff kennt und sich dagegen zur Wehr setzt. Da in den kommenden Jahren kaum neue Antibiotika zu erwarten sind, ist es wichtig, die vorhandenen Mittel maximal und optimal einzusetzen. Für ihre Arbeit in diesem Bereich erhielt die Forschungsgruppe Infektionen in der Hämatologie/Onkologie (Universitätsklinikum Jena, Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI), Center for Sepsis Control and Care) nun einen Posterpreis.

Durch die intensive Behandlung mit Medikamenten ist das Immunsystem von Krebspatienten häufig so geschwächt, dass beinahe jeder Patient im Laufe der Therapie an einer Infektion erkrankt. Eingesetzt wird dann beispielsweise das Antibiotikum Piperacillin/Tazobactam. Doch wirkt es längst nicht bei jedem Patienten. „Fakt ist, dass bei etwa 20 Prozent der Krebspatienten die Behandlung mit diesem Antibiotikum aus ungeklärten Gründen nicht anschlägt“, so Gruppenleiterin Marie von Lilienfeld-Toal. „Wir haben uns gefragt: Warum ist das so?“

Die Vermutung: Unterdosierung und eine zu niedrige Wirkstoffkonzentration im Blut . 44 Patienten aus der Klinik für Innere Medizin II (KIM II) des Universitätsklinikums Jena, die an verschiedenen Krebsarten erkrankt sind, wurden im Rahmen eines Pilotprojektes von Ärzten der KIM II und des Centers for Sepsis Control and Care (CSCC) getestet. Bei 21 dieser Patienten zeigte sich eine zu niedrige Wirkstoffkonzentration. Die Vermutung erhärtet sich langsam, zur endgültigen Klärung ist ab 2016 eine prospektive klinische Studie im Rahmen des CSCC geplant. „Wenn sich herausstellt, dass die niedrige Wirkstoffkonzentration der Grund für das Versagen der Medikamente ist, wäre das bahnbrechend“, erzählt Marie von Lilienfeld-Toal. „Die Umsetzung in die Praxis wäre dann sofort machbar, indem die Medikamentendosis dem Spiegel angepasst wird. Die Wirkung der Antibiotika würde dann deutlich mehr ausgeschöpft. Darüber hinaus könnten die Krankenhäuser sogar sparen, denn der Einsatz eines neuen Medikaments ist immer teurer als das Ausschöpfen eines bereits verwendeten.“

Für ihre bisherige Forschung in diesem Feld erhielt die Arbeitsgruppe Infektionen in der Hämatologie/Onkologie nun einen Posterpreis auf der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie.