Neue Antibiotika aus Steinzeit-Zahnstein: Pierre Stallforth auf Professur berufen

Pierre Stallforth ist neuer Professor für Bioorganische Chemie und Paläobiotechnologie an der FSU Jena. (Quelle: Leibniz-HKI)

Mit der Überreichung der Ernennungsurkunde wurde Pierre Stallforth – Leiter der Abteilung Paläobiotechnologie am Leibniz-HKI – von Präsident Walter Rosenthal auf eine Professur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena berufen. Der frischgebackene Professor für Bioorganische Chemie und Paläobiotechnologie ist Mitglied der Chemisch-Geowissenschaftlichen Fakultät.

Pierre Stallforth hat an der Universität Oxford Chemie studiert und wurde an der renommierten ETH Zürich promoviert. An der Harvard Medical School bei Boston arbeitete er anschließend als Postdoktorand, bevor er 2013 als Leiter einer Nachwuchsgruppe an das Leibniz-HKI wechselte.

Eine großzügige Förderung durch die Werner Siemens-Stiftung ermöglicht es Stallforth, ein völlig neues Forschungsfeld aufzubauen: In prähistorischen Proben suchen er und sein Team nach genetischen Informationen für Naturstoffe, die in heute lebenden Organismen nicht mehr zu finden sind. Er möchte auf diese Weise die zeitliche Dimension in die Wirkstoff-Forschung einbringen und vor allem neue Antibiotika finden.

„Antibiotika haben seit Entdeckung des ersten später klinisch eingesetzten Antibiotikums im Jahr 1928 Millionen Menschen das Leben gerettet. Doch mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Resistenzen gegen die gängigen Mittel. Wir brauchen dringend neue Wirkstoffklassen für die Entwicklung von Antibiotika“, sagt der Wissenschaftler.

Unterstützt wird er von der Archäologin Christina Warinner, Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Associate Professor an der Harvard University bei Boston sowie Professorin an der FSU Jena. Die Idee hinter dem Projekt: Heutige Bakterien sind gegen die Abwehrstoffe uralter Bakterien vermutlich nicht mehr gerüstet. Als Quelle für die prähistorischen Mikroorganismen dient fossiler Zahnstein, Christina Warinner – sie ist mit ihrer Gruppe an das Leibniz-HKI assoziiert – hat eine ganze Sammlung davon.

Die DNA der Bakterien enthält die Bauanleitung für zahlreiche Naturstoffe, darunter möglicherweise auch Antibiotika. Sie liegt jedoch in Form zerstückelter Fragmente vor, die erst richtig zusammengefügt und teils auch mithilfe der Bioinformatik ergänzt werden müssen. Das Team um Stallforth wird bestehende Technologien weiterentwickeln, um die Informationen nutzbar zu machen. Anschließend werden Laborbakterien mithilfe gentechnischer Methoden dazu gebracht, die alten Naturstoffe zu produzieren, die dann auf ihre antibiotische Wirkung hin getestet werden.

Als Professor wird Pierre Stallforth künftig auch Lehraufgaben an der Friedrich-Schiller-Universität Jena übernehmen. Mit seinem Forschungsgebiet an der Schnittstelle zwischen Chemie und Biologie wird er den Studierenden vor allem die interdisziplinäre Arbeit in Forschungsteams nahebringen. Bereits jetzt ist er mit eigenen Projekten im Sonderforschungsbereich ChemBioSys und dem Jenaer Exzellenzcluster Balance of the Microverse bestens vernetzt. Nach seinem für das Frühjahr 2022 geplanten Umzug in das neu errichtete Biotech Center des Leibniz-HKI wird er für sich und sein Team beste Möglichkeiten für die experimentelle Forschung vorfinden.

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