Rückenwind für innovative Infektionsforschung
Alexander Gräwe erhält Klaus Tschira Boost Fund für die Entwicklung sicherer therapeutischer Mikroben
| von Kerstin Breuer
Mikroorganismen gezielt so programmieren, dass sie Infektionskrankheiten im menschlichen Körper bekämpfen und zugleich den Sicherheitsanforderungen für neue Therapeutika gerecht werden: Mit diesem Forschungsvorhaben konnte Dr. Alexander Gräwe überzeugen und sich einen Klaus Tschira Boost Fund (KTBF) sichern. Ein großer Erfolg, denn mit einer Bewilligungsquote von unter fünf Prozent zählt die Förderung zu den besonders kompetitiven Programmen für Forschende in frühen Karrierephasen.
Infektionen durch krankheitserregende Mikroorganismen fordern weltweit jedes Jahr Millionen Menschenleben. Gleichzeitig leben in und auf unserem Körper zahlreiche nützliche Mikroben, die wichtige Funktionen für unsere Gesundheit erfüllen. Was wäre, wenn wir solche „guten“ Bakterien als therapeutische Helfer gegen Infektionen einsetzen könnten, sicher und kontrollierbar? Hier setzt das von der Carl-Zeiss-Stiftung geförderte Verbundprojekt SynThera (Synthetic therapeutic microbes for tailored antimicrobial therapies) an, das Expert*innen vom Leibniz-HKI und der Universität Jena zusammenbringt. Alexander Gräwe, der als Postdoktorand in der Arbeitsgruppe von Axel Brakhage am Leibniz-HKI in SynThera integriert ist, verfolgt mit „TheraSafe“ ein eigenes, komplementäres Forschungsvorhaben. Darin nimmt er gezielt die Sicherheit therapeutischer Mikroben in den Fokus.
„Damit therapeutische Mikroben künftig Anwendung finden, müssen sie nicht nur wirksam, sondern vor allem sicher und kontrollierbar sein“, sagt Gräwe. So gelte es etwa zu gewährleisten, dass die Mikroben keine unerwünschten Eigenschaften wie z. B. Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln. Gräwe setzt dabei auf synthetische Biologie, um neuartige Biosicherheitsmechanismen in die „TheraSafe“-Mikroben zu integrieren. Mit diesem innovativen Ansatz konnte er sich im Auswahlverfahren um den Klaus Tschira Boost Fund durchsetzen. Der „Boost“ ermöglicht es Gräwe, in den kommenden zwei Jahren eine Doktorand*innenstelle zu finanzieren und seinen eigenen Forschungsschwerpunkt weiter auszubauen.
„Die Förderung gibt mir die Möglichkeit, eigene Führungsverantwortung zu übernehmen und mich gezielt in Richtung einer unabhängigen Forschungsgruppe weiterzuentwickeln“, erklärt Gräwe. Darüber hinaus sieht er großen Mehrwert im starken Netzwerk des KTBF-Programms, das Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenbringt.
Ein persönlicher Motivations-„Boost“ besteht für Gräwe seit jeher darin, als Team auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten. Die Einwerbung des KTBF schafft nun die Grundlage, sein eigenes Sub-Team im Rahmen von SynThera aufzubauen. Dieses „TheraSafe“-Team wird künftig zentrale Fragen der Biosicherheit adressieren und so auch SynThera seinem Ziel näherbringen: der Entwicklung therapeutischer Mikroben, die gezielt gegen multiresistente bakterielle und pilzliche Krankheitserreger eingesetzt werden können. Damit stärkt das geförderte Projekt die Forschung am Leibniz-HKI zu innovativen Strategien gegen Infektionskrankheiten und neuen Ansätzen für Antiinfektiva.
Über den Klaus Tschira Boost Fund
Der KTBF ist ein gemeinsames Programm der GSO (Organisation für Guidance, Skills Opportunities) und der Klaus Tschira Stiftung zur Förderung von Wissenschaftler*innen. Es wird durch die Finanzierung der gleichnamigen Stiftung ermöglicht. SAP-Mitbegründer Klaus Tschira rief diese Stiftung ins Leben, um Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik in Forschung, Bildung und Wissenschaftskommunikation zu fördern. Der KTBF unterstützt Forschende mit flexiblen, unabhängigen Mitteln für risikoreichere interdisziplinäre Projekte und stärkt ihre persönliche Entwicklung sowie den Aufbau internationaler Netzwerke durch gezielte Beratung und Begleitung.